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Die Kreuzzüge |
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muslimische Expansion
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1000 Jahre im Zeitraffer: DIE ZEIT
DER KREUZZÜGE - DAVOR UND DANACH |
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in Anlehnung an
http://europenews.dk/de/node/455 |
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Der Islam hat sich
friedlich verbreitet - Er ist freiwillig und gern angenommen worden: |
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Sicher, diese Aussage
würde die Fakten auf den Kopf stellen. Dessen sind sich Menschen, die einen
diesbezüglich noch unbelasteten Geschichtsunterricht erfuhren, auch bewusst.
Sie wäre nur
mit dem Wunsch erklärbar, mit einem den Mehrheitsverhältnissen künftiger
Generationen angepassten Geschichtsbild ein von historischen Spannungen
künstlich befreites Miteinander anzubieten. Jedoch:
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Die Frage, ob es sinnvoll
sein kann die Zukunft auf ein Lügengerüst zu bauen, ist einfach zu
beantworten: NEIN!
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KREUZZÜGE |
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Zur Klarstellung: Jesus hat nie zu einem
Krieg aufgerufen! |
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Es geht hier nicht darum, einen Krieg im
Namen Jesu zu rechtfertigen. |
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Es geht
darum, festzustellen, ob man den Menschen damals eine
Berechtigung zuerkennt, christliche Werte und Fundamente zu verteidigen, die
sie im Falle der Untätigkeit nicht nur individuell sondern im Ganzen
verloren hätten. Sie hätten statt in einer christlich geprägten dann in
einer islamischen Kultur leben müssen, entweder selbst mit der eigenen
Familie zum Islam konvertiert - ohne Rückweg, es sei denn, man wählte den
Tod - oder im christlichen Dhimmistatus als schutzgelderpresster Untermensch
2. Klasse, dem es beispielsweise - wie im als Toleranzbeispiel
viel gepriesenen Andalusien üblich - nur erlaubt war auf einem Esel und zwar
im Damensitz, nicht aber auf einem den Herrenmenschen vorbehaltenen Pferd zu
reiten (Quelle S.
Kohlhammer).
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Nein, es war kein
voreiliger "Schuss aus der Hüfte", sondern eine Abwehr in höchster Not. |
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Auf fast 5 Jahrhunderte
islamischer Expansion durch das Schwert folgten die seinerzeit päpstlich
abgesegneten Kreuzzüge. |
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die Zeittafel beginnt mit dem Todesjahr
Mohammeds, dem Begründer des Islam, 464 Jahre vor dem 1. Kreuzzug |
| 632 n. Chr. |
ZumZeitpunkt des Todes Mohammeds war der Islam
bereits durch
Kriegszüge über weite Teile der Arabischen Halbinsel verbreitet worden.
Diese Kriegszüge wurden nach seinem Tode fortgesetzt und verwandelten den
gesamten Mittelmeerraum für Jahrhunderte in einen Schauplatz permanent
islamexpansiver Aggression. |
| 635 n. Chr. |
ein muslimisches Heer erobert das zum
christlichen byzantinischen Reich gehörende Damaskus, die Hauptstadt des
christlichen Syriens |
| 638 n. Chr. |
ein muslimisches Heer erobert das zum
christlichen byzantinischen Reich gehörende Jerusalem |
| 642 n. Chr. |
ein muslimisches Heer erobert das zum
christlichen byzantinischen Reich gehörende Alexandria, die Hauptstadt des
christlichen Ägyptens |
| 644 n. Chr. |
ein muslimisches Heer erobert das christliche Barka in Nordafrika (Lybien) |
| 678 n. Chr. |
der erste muslimischer Angriff auf Konstantinopel
(Hauptstadt des christlichen byzantinischen Reiches und Sitz des
christlichen Kaisers, heute Istanbul) wird abgewehrt, 718 der zweite. |
| 708 n. Chr. |
Der muslimische Feldzug zur Eroberung des
christlichen Nordafrikas erreicht die Atlantikküste. |
| 710 n. Chr. |
mit der Eroberung der letzten christlichen
Stadt Nordafrikas ist das gesamte ehemals christliche Nordafrika
islamisiert. Fast alle der 400 christlichen Bistümer in Nordafrika gehen
unter. Nordafrika war eine einstmals blühende christliche Welt, die
bedeutende Theologen des christlichen Altertums hervorgebracht hat: Tertullian, Cyprian, Athanasius, Augustinus. |
| 711 n. Chr. |
muslimische Heere überschreiten die Meerenge
von Gibraltar und fallen in Europa ein. Beginn der Eroberung der iberischen
Halbinsel (heute Spanien und Portugal). |
| 712 n. Chr. |
die Eroberung Südspaniens ist abgeschlossen. |
| 713 n. Chr. |
Araber erobern Barcelona,
überschreiten die Pyrenäen und beginnen mit der Eroberung Südfrankreichs.
Noch nicht einmal 100 Jahre nach Mohammeds Tod stehen muslimische Heere
(nicht Missionare) im christlichen Reich
der Franken (heute Frankreich) |
| 720 n. Chr. |
Die Araber erobern in Südfrankreich Narbonne und belagern Toulouse. |
| 732 n. Chr. |
Abwehrschlacht bei Tours und Poitiers
(heute: Frankreich): Sieg der europäischen (Karl Martell) über
die muslimischen Heere. |
| 1009 n. Chr. |
Kalif Al-Hakim ordnete die systematische Zerstörung sämtlicher christlicher
Heiligtümer in Jerusalem an. Auch die Grabeskirche einschließlich des
Heiligen Grabes wird zerstört. |
| 1070 n. Chr. |
Die Seldschuken, ein türkisches Nomadenvolk
aus Innerasien, das sich im 10. Jh.
n. Chr. zum Islam bekehrt hatte, gewinnt die Kontrolle über Jerusalem. Die
friedliche Pilgerfahrt von Christen zu den heiligen Stätten wird zunehmend
behindert. |
| 1071 n. Chr. |
Schlacht bei Mantzikert - ein christliches byzantinisches Heer wird durch
ein muslimisches Heer vernichtend geschlagen. Die muslimischen Seldschuken
erobern das Kerngebiet des christlichen byzantinischen Reiches: Kleinasien.
(heute Türkei) |
| 1095 n. Chr. |
Der christliche byzantinische Kaiser Alexios I. Komnenos sendet eine
Gesandtschaft an Papst Urban II. mit der Bitte um militärische Hilfe. Auf
der Synode von Clermont wird der Kreuzzug beschlossen. |
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1096 n.Chr. |
Nach fast 5 Jahrhunderten islamischer Expansion durch
das Schwert beginnt der christliche Kreuzzug zur Befreiung des heiligen
Landes und der Christen des Morgenlandes. Gottfried von Bouillon: 1.
Kreuzzug (1096–1099), der zur Eroberung Jerusalems führte. Ein christliches
Königreich mit kleineren Kreuzfahrerstaaten wurde errichtet. |
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nach Wiedereroberung von Edessa durch die
Seldschuken: 2. Kreuzzug (1147–1149) unter König Konrad III. und dem franz.
König Ludwig VII. Das Unternehmen endete mit einer militärischen
Katastrophe, und Edessa blieb in türkischer Hand. |
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nach Eroberung Jerusalems durch Sultan
Saladin (1187): 3. Kreuzzug (1189–1192), unter Kaiser Friedrich I., dem
englischen König Richard Löwenherz und König Philipp II. August von
Frankreich. Der Kaiser ertrank 1190. Jedoch wurde 1191 Akko erobert, und der
Küstenstreifen von Tyros bis Jaffa konnte gesichert werden. |
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4. Kreuzzug (1202–1204) -ohne dt.
Beteiligung- führte zur Eroberung Zaras (für Venedig) und
Plünderung Konstantinopels, welche unter dem Einfluss des Bruchs in Ost und
Westkirche stand. |
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1212 kam es zu einem verlustreichen
Kinderkreuzzug |
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5. Kreuzzug (1228/29) Der Vertrag Kaiser
Friedrichs II. mit dem Sultan al-Kamil brachte Jerusalem wieder in
christlichen Besitz, der aber bereits 1244 wieder verloren ging. |
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- 1270 n.Chr. |
6. und 7. Kreuzzug (1248–1254 bzw. 1270),
König Ludwig IX. nach Ägypten und Tunis: blieben ohne Erfolg. |
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| 1389 n. Chr. |
Schlacht auf dem Amselfeld: Ein christliches
Heer der Serben, Bosnier und Bulgaren wird von einem muslimischen Heer
vernichtend geschlagen. Die christlichen Balkanstaaten werden muslimische
Vasallen. |
| 1453 n. Chr. |
Nachdem das oströmische Reich
800 Jahre den Angriffen der Mohammedaner standhielt: Eroberung von
Konstantinopel. Der christliche Kaiser Konstantin XI fällt im Kampf.
Ende des (zuletzt kleinen) christlichen byzantinischen Reiches, Umwandlung der Hagia Sophia in
eine Moschee mit vier seitlichen Minaretten bis Atatürk 1934 den
ehemaligen Kirchenbau zum Museum erklärt. |
| 1456 n. Chr. |
Der ungarische Feldherr J. Hunyadi
besiegt Sultan Mohammed II in der Nähe von Belgrad. Zum Dank
über diesen Sieg des Christentums ließ Papst Callixtus III. die
Kirchenglocken läuten. Seither läuten um zwölf Uhr die christlichen Glocken. |
| 1480 n. Chr. |
ein muslimisches Heer erobert Otranto in Italien.
1481 Rückeroberung durch ein christliches Heer. |
| 1521 n. Chr. |
ein muslimisches Heer erobert
Belgrad ( Ludwig II). |
| 1526 n. Chr. |
Schlacht von Mohács -
Ludwig II. verweigert Tributzahlungen an die Türken: sein christliches Heer
(20.000) wird durch ein muslimisches (100.000) vernichtend geschlagen. Muslimische Heere
erobern den größten Teil Ungarns und bedrohen Wien. |
| 1529 n. Chr. |
Die erste Belagerung Wiens durch ein
muslimisches Heer scheitert. |
| 1683 n. Chr. |
Die zweite Belagerung Wiens durch ein
muslimisches Heer scheitert: Eine österreichisch-deutsch-polnische Armee
unter Johann III. Sobieski schlug am 12. September 1683 die Belagerer
zurück. |
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Zum Thema Kreuzzüge ein Beitrag von Robert Spencer aus:
http://www.kath.net/detail.php?id=13393
Die Wahrheit über die Kreuzzüge -
Robert Spencer über die Folgen der verbreiteten
historischen Irrtümer.

Washington D.C. (www.kath.net/Zenit)
Es könnte sein, dass „die Kreuzzüge der Vergangenheit
heute mehr Verwüstung anrichten, als sie es in den
drei Jahrhunderten, als die meisten von ihnen geführt
wurden, getan haben“. Das ist die These eines Mannes,
der sich in der Geschichte der Kreuzzüge auskennt.
Robert Spencer ist Autor des Buches „Politically
Incorrect Guide to Islam (and the Crusades)“
(„Politisch nicht-korrekter Führer zum Islam [und zu
den Kreuzzügen]“). Darin betont Spencer, dass es bei
jenem Kreuzzug, der gegenwärtig geführt werde, nicht
um den Verlust von Menschenleben noch um die
Verwüstung von materiellem Eigentum handle, sondern um
eine viel subtilere Form der Zerstörung.
Im Gespräch mit ZENIT erklärte der Fachmann, warum
irrige Vorstellungen über die Kreuzzüge von
Extremisten dafür genutzt werden, Feindseligkeit gegen
die westliche Welt zu schüren.
Die Kreuzzüge werden oft als ein militärischer
Angriffsschlag dargestellt. Waren sie das?
Spencer: Nein. Papst Urban II., der auf dem Konzil
von Clermont im Jahr 1095 zum ersten Kreuzzug aufrief,
hat dies aus Gründen einer längst fälligen
Verteidigung getan.
In seinem Aufruf erklärte er, dass er deshalb zum
Kreuzzug aufrufe, weil „die Angriffe auf die
Christen“,die „Gottgläubigen“, durch die Türken und
andere muslimische Streitkräfte ohne Verteidigung noch
viel größere Ausmaße annehmen würden.
„Denn die Gläubigen wurden, wie die meisten von
euch bereits gehört haben, von Türken und Arabern
angegriffen und das Territorium der ‚Romania’ (des
hellenistischen, also griechischen Imperiums), das im
Westen bis zur Mittelmeerküste und dem Hellespont
(Dardanellen), der der Arm St. Georgs genannt wird,
reichte, wurde erobert.“
In dem Aufruf Papst Urbans II. heißt es des
Weiteren wörtlich: „Sie haben immer mehr Länder der
dortigen Christen besetzt und diese in sieben Kriegen
besiegt. Sie haben viele von ihnen getötet und
gefangen genommen, die Kirchen zerstört und das
Kaiserreich (von Byzanz) verwüstet. Wenn man sie das
weiter ungestraft tun lässt, werden die Gläubigen in
einem noch weit größeren Ausmaß von ihnen angegriffen
werden.“
Was der Heilige Vater damals gesagt hat, stimmte.
Im Verlaufe des Dschihad, des „Heiligen Krieges“, sind
vom siebten Jahrhundert an bis zur Zeit Papst Urbans
über die Hälfte der christlich besiedelten Gebiete
erobert und islamisiert worden. Bis zu den Kreuzzügen
hatte die europäische Christenheit auf diese
Provokationen nicht reagiert.
Was sind die am weitest verbreiteten Irrtümer
über die Kreuzzüge?
Spencer: Eines der häufigsten Missverständnisse ist
die Vorstellung, die Kreuzzüge seien ein
unprovozierter Angriff von Seiten Europas gegen die
islamische Welt gewesen.
In Wirklichkeit stand die Eroberung Jerusalems
durch die Muslime im Jahr 638 am Anfang
jahrhundertelanger Angriffe von Seiten des Islam, und
die Christen im Heiligen Land sahen sich einer Spirale
der Verfolgung ausgesetzt, die zu eskalieren drohte.
Zu Beginn des achten Jahrhunderts wurden zum
Beispiel 60 christliche Pilger, die von Amorion, einer
byzantinischen Stadt im Zentrum Anatoliens, kamen,
gekreuzigt. Um dieselbe Zeit ließ der muslimische
Kommandant von Caesarea eine Gruppe von Pilgern aus
Ikonium (antiker Name für Konya, einer Stadt in
Inneranatolien) gefangen nehmen und alle – bis auf
eine kleine Zahl, die zum Islam konvertierten – als
Spione hinrichten.
Die Muslime verlangten von den Pilgern auch Geld –
unter der Drohung, die Auferstehungskirche zu
plündern, falls sie nicht zahlten.
Im späteren Verlauf des achten Jahrhunderts ließ
ein muslimischer Herrscher in Jerusalem das Symbol des
Kreuzes in der Öffentlichkeit verbieten. Er ließ auch
die Steuern für Nicht-Muslime erhöhen, die „jizya“,
die die Christen zu zahlen hatten, und verbot ihnen,
ihre eigenen Kinder und ihre Mitchristen im Glauben zu
unterweisen.
Zu Beginn des neunten Jahrhunderts wurden die
Verfolgungen so grausam, dass eine große Zahl von
Christen nach Konstantinopel und in andere christliche
Städten floh. Im Jahr 937 wüteten Muslime am
Palmsonntag in Jerusalem und plünderten und zerstörten
die Kirche auf dem Kalvarienberg sowie die
Auferstehungskirche.
Im Jahr 1004 ordnete der Fatimidenkalif (als „Fatimiden“
wird die von Fatima, der jüngsten Tochter Mohammeds,
abstammende mohammedanische Dynastie bezeichnet, Anm.
d. Red) Abu 'Ali al-Mansur al-Hakim, die Zerstörung
von Kirchen, das Verbrennen von Kreuzen und die
Aneignung von Kirchenbesitz an. In den darauf
folgenden zehn Jahren wurden 30.000 Kirchen zerstört,
und unzählige Christen traten zum Islam über, um ihr
Leben zu retten. retten.
Im Jahr 1009 ließ al-Hakim die Grabeskirche in
Jerusalem zusammen mit mehreren anderen Kirchen,
darunter die Auferstehungskirche, zerstören. Im Jahr
1056 vertrieben die Muslime 300 Christen aus Jerusalem
und verbaten europäischen Christen, die wieder
aufgebaute Grabeskirche zu betreten.
Als die seldschukischen Türken im Jahr 1077
Jerusalem einnahmen, versprach der Seldschuke Emir
Atsiz bin Uwaq, die Einwohner zu verschonen. Sobald
jedoch seine Männer die Stadt betreten hatten,
ermordeten sie rund 3.000 Menschen.
Ein weiterer sehr geläufiger historischer Irrtum
besteht in der Meinung, dass die Kreuzzüge mit dem
Ziel geführt wurden, Muslime gewaltsam zum Christentum
zu bekehren. Entgegen dieser Behauptung ist das Fehlen
jeglichen Aufrufs Papst Urbans II. an die Kreuzfahrer,
die Muslime zu bekehren, eklatant. In keinem der
Berichte über Papst Urbans Erklärung auf dem Konzil
von Clermont findet sich irgendeine derartige
Aufforderung.
Erst im 13. Jahrhundert – über 100 Jahre nach dem
ersten Kreuzzug – kam es dazu, dass europäische
Christen einen koordinierten Versuch unternahmen,
Muslime zum Christentum zu bekehren. Das geschah, als
die Franziskaner in jenen Gebieten, die von den
Kreuzfahrern besetzt worden waren, mit der Mission
unter Muslimen begannen. Allerdings blieb dieser
Versuch weitgehend erfolglos.
Dazu kommt noch ein weiterer Irrtum über die
Kreuzzüge. Er betrifft die blutige Plünderung
Jerusalems durch die Kreuzfahrer im Jahr 1099.
Die Eroberung Jerusalems wird oft als einzigartiges
Ereignis in der Geschichte des Mittelalters
dargestellt und als Ursache für das Misstrauen der
Muslime gegenüber der westlichen Welt. Richtiger
müsste es heißen: Sie war der Beginn einer
jahrtausendelangen Verbreitung antiwestlicher
Ressentiments und antiwestlicher Propaganda.
Die Plünderung Jerusalems durch die Kreuzfahrer war
zwar ohne Zweifel ein abscheuliches Verbrechen –
besonders im Licht der religiösen und moralischen
Prinzipien, auf die sie sich beriefen. Jedoch war sie
nach den militärischen Standards der damaligen Zeit
nichts Außergewöhnliches.
In jener Zeit war es ein allgemein anerkannter
Grundsatz der Kriegsführung, dass eine belagerte
Stadt, wenn sie gegen die Eroberung Widerstand
leistete, geplündert werden durfte. Leistete sie
keinen Widerstand, pflegte man sie zu verschonen. Es
ist historisch belegt, dass muslimische Armeen sich
häufig genauso verhalten haben, wenn sie in eine
eroberte Stadt einzogen.
Zwar soll hier nicht das Verhalten der Kreuzfahrer
entschuldigt werden, indem auf ähnliches Handeln auf
anderer Seite hingewiesen wird – eine Greueltat
rechtfertigt nicht eine andere –, es zeigt aber, dass
das Verhalten der Kreuzfahrer in Jerusalem dem anderer
Armeen der Periode entsprochen hat, und zwar aufgrund
derselben Einstellung zu Belagerung und Widerstand,
die die verschiedenen Städte besaßen.
Im Jahr 1148 schreckte der muselmanische Kommandeur
Nur ed-Din nicht davor zurück, alle Christen in Aleppo
(Stadt in Nordwest-Syrien) töten zu lassen. Als im
Jahr 1268 die Dschihad-Streitkräfte des
Mamelukken-Sultans Baybars Antiochien den Kreuzfahrern
weggenommen hatten, war Baybars verärgert, als er
feststellen musste, dass der Kommandeur der
Kreuzfahrer die Stadt bereits verlassen hatte. Er
schrieb deshalb einen Brief an ihn, welcher erhalten
geblieben ist und in dem er mit seinen Massakern an
den Christen prahlte.
Am berüchtigtsten ist wohl der Einmarsch der
Dschihad-Krieger in Konstantinopel am 29. Mai 1453,
als diese, wie der Historiker Steven Runciman
schreibt, „alle, die sie auf der Straße antrafen,
unterschiedslos erschlugen – Männer, Frauen und
Kinder“.
Und schließlich gehört zu den Irrtümern über die
Kreuzzüge auch die Behauptung, Papst Johannes Paul II.
habe sich für die Kreuzzüge entschuldigt. Das hat er
nicht getan.
Zweifellos ist die Ansicht, Papst Johannes Paul II.
habe sich für die Kreuzzüge entschuldigt, weit
verbreitet. Als er starb, ‚erinnerte’ die „Washington
Post“ ihre Leser daran, dass „Papst Johannes Paul II.
sich in seiner langen Amtszeit bei den Muslimen für
die Kreuzzüge, bei den Juden für den Antisemitismus,
bei den orthodoxen Christen für die Plünderung
Konstantinopels, bei den Italienern für die
Beziehungen zur Mafia und zu jenen Wissenschaftlern,
die die Verfolgung Galileos betrieben hatten,
entschuldigt hat“.
Aber Johannes Paul II. entschuldigte sich nie
wirklich für die Kreuzzüge. Was einer solchen
Entschuldigung am nächsten kam, war das, was er in
seiner Predigt am „Tag der Vergebung“ am 12. März 2000
sagte: „Wir müssen einfach die Treulosigkeiten
gegenüber dem Evangelium, die von einigen unserer
Brüder im Glauben besonders im zweiten Jahrtausend
begangen worden sind, zur Kenntnis nehmen. Lasst uns
um Vergebung bitten für die Spaltungen unter den
Christen, für die Gewalt, die einige bei ihrem Dienst
an der Wahrheit angewendet haben, und für die
misstrauische und feindselige Haltung, die bisweilen
gegen die Anhänger anderer Religionen eingenommen
wurde.“
Dies kann man kaum eine eindeutige Entschuldigung
für die Kreuzzüge nennen.
Wie haben die Muslime damals und heute die
Kreuzzüge wahrgenommen?
Spencer: Jahrhundertelang, als das Osmanische Reich
blühte, waren die Kreuzzüge nicht die vorrangige Sorge
der islamischen Welt. Vom westlichen Standpunkt aus
betrachtet waren sie einfach ein Misserfolg. Mit dem
Verfall der militärischen Macht und der Einheit der
islamischen Welt und dem damit zusammenfallenden
Aufstieg des Westens wurden sie jedoch zum Brennpunkt
muslimischer Ressentiments gegenüber dem, was sie als
Übergriff und Ausbeutung empfanden.
In welchem Umfang bedienen sich heute
extremistische Kreise der weit verbreiteten Irrtümer
über die Kreuzzüge?
Spencer: Die Kreuzzüge richten heute wohl eine
größere Verwüstung an, als sie es in den drei
Jahrhunderten, als die meisten von ihnen geführt
wurden, getan haben. Ich beziehe mich hier nicht auf
das, was den Verlust von Menschenleben und die
Zerstörung materieller Besitztümer angeht, sondern
meine eine subtilere Form von Zerstörung.
Die Kreuzzüge sind zur Hauptsünde nicht nur der
katholischen Kirche, sondern auch der ganzen
westlichen Welt geworden. Sie sind das Beweisstück Nr.
1 für die Anklage, dass es letztendlich der Westen
sei, der die gegenwärtige Auseinandersetzung zwischen
der muslimischen Welt und der westlichen
post-christlichen Zivilisation zu verantworten habe.
Der Westen habe die Muslime provoziert, ausgebeutet
und brutal behandelt, seit die ersten Frankenkrieger
in Jerusalem einzogen.
Osama bin Laden sprach von seiner Organisation
nicht als El-Kaida, sondern als einer „Weltfront des
Islam für den Heiligen Krieg gegen Juden und
Kreuzfahrer“ und rief eine Fatwa zum „Heiligen Krieg
gegen Juden und Kreuzfahrer“ aus.
Dieser Sprachgebrauch ist weit verbreitet. Am 8.
November 2002, kurz vor Beginn des Irakkriegs, durch
den Saddam Hussein gestürzt wurde, predigte Sheikh
Bakr Abed Al-Razzaq Al-Samaraai in der „Mutter-aller-Kriege-Moschee“
über „diese schwere Stunde, in der das islamische Volk
die Herausforderung der Kräfte des Unglaubens von
Ungläubigen, Juden, Kreuzfahrern, Amerikanern und
Briten erlebt und mit ihr konfrontiert wird“.
Ähnlich erklärten die islamischen Dschihadisten,
als sie im Dezember 2004 das US-Konsulat in Jedda in
Saudi Arabien bombardierten, dass der Angriff Teil
eines größeren Planes sei, nämlich eines Gegenschlags
gegen die „Kreuzfahrer“. In ihrer Erklärung hieß es:
„Dieses Unternehmen ist Bestandteil mehrerer Aktionen,
die von El-Kaida organisiert und geplant wurden als
Teil des Kampfes gegen die Kreuzfahrer und Juden und
ebenso als Teil des Plans, die Ungläubigen dazu zu
zwingen, die arabische Halbinsel zu verlassen“.
Sie brüsteten sich, dass es ihnen gelungen sei, „in
eine der mächtigen Festungen der Kreuzfahrer auf der
arabischen Halbinsel einzudringen und in das
amerikanische Konsulat, von dem aus diese (die
Amerikaner) das Land kontrollieren und überwachen“.
Angesichts einer solchen Propaganda sollten sich
die Bewohner des Abendlandes hinsichtlich der
Kreuzzüge nicht ins Bockshorn jagen lassen. Es ist
Zeit, klar zu sagen: „Jetzt reicht es“, und unsere
Kinder zu lehren, auf ihr eigenes Erbe stolz zu sein.
Sie sollen wissen, dass sie eine Kultur und eine
Geschichte haben, für die sie dankbar sein können;
dass sie nicht Kinder und Enkel von Tyrannen und
Schurken sind, und dass ihre Häuser und Familien es
wert sind, dass man sie gegen jene verteidigt, die sie
ihnen wegnehmen wollen und die nicht davor
zurückschrecken, einen Mord zu begehen, um ihr Ziel
auch zu erreichen. |
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http://www.taz.de/index.php?id=archivseite&dig=2002/09/21/a0331
21.09.2002
Duldung und Demütigung
Ist der Islam tatsächlich eine so tolerante und
friedfertige Religion, wie nach den Terroranschlägen vom 11. September
allerorten behauptet wird? Geschichte und Gegenwart sprechen dagegen
von SIEGFRIED KOHLHAMMER
Nach den Massakern des 11. September 2001 beeilten
sich führende westliche Staatsmänner, ihren verschreckten Bürgern zu
versichern, dass die Terrorakte nichts mit dem Islam zu tun hätten - der
Islam sei vielmehr eine tolerante, friedliebende Religion. Es scheint
mir aus aktuellem Anlass sinnvoll, diese Beteuerungen einer
"dogmatischen Islamophilie" auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu prüfen,
denn - wie der 11. September gezeigt hat - Illusionen zu hegen, kann
nachteilige Folgen haben. Es ist jedoch auch nicht meine Absicht, gegen
solides Beweismaterial zu behaupten, dass der Islam nie anders als
intolerant war oder sein kann, sondern dass er wie alle nicht vom
Gewaltmonopol eines säkularen Rechtsstaats gebändigten Religionen zu
allem fähig ist.
Das
Kronjuwel in der Schatzkammer islamischer Toleranz ist die Institution
der Schutzbefohlenen (dhimma). Sie beruht auf
Koranversen, auf Prophetenworten und -taten (hadith)
und weiteren der über Jahrhunderte sich entwickelnden religiösen
Rechtsbestimmungen, die Teil dessen sind, was der rechtgläubige Muslim
zu tun und zu lassen hat. Die Institution der Dhimma wird als Vertrag
interpretiert, der den unterworfenen Andersgläubigen Leben, Eigentum
(einschließlich des Rechts, Handel und Gewerbe zu betreiben) sowie die
Ausübung ihrer Religion und Selbstverwaltung gewährt gegen die Zahlung
spezieller Kopf- und Landsteuern und weiterer Leistungen sowie der
Loyalität gegenüber dem islamischen Staat. Das ist nicht wenig. Aber es
ist weder spezifisch islamisch noch neu, noch besonders tolerant. Und es
ist kein Vertrag.
Auch juristischen Laien ist bekannt, dass ein unter
Gewaltandrohung zustande gekommener Vertrag null und nichtig ist - es
ist kein Vertrag, sondern "ein Angebot, das man nicht ablehnen kann",
wie Don Corleone es formuliert hätte. Dass Gewaltandrohung zugrunde
liegt, ergibt sich schon daraus, dass der so genannte Vertrag das Leben
gewährt, das bei Nichteingehen auf das Vertragsangebot verloren ist.
Unter anderem gegen die Zahlung von Schutzgeldern.
"Schutzgelderpressung" wäre insofern eine polemische, dem Sachverhalt
aber angemessenere Bezeichnung als "Vertrag".
Dass Gewalt drohte, daran besteht kein Zweifel: "Die
Invasion des Nahen Ostens bedeutete keineswegs eine freudige, befreiende
Erfahrung, sondern ging mit einem hohen Maß an Tod und Zerstörung
einher. Die Bewohner derjenigen Städte, die im Sturm genommen worden
waren, wurden entweder getötet oder in die Gefangenschaft verschleppt
und verloren ihr Eigentum", schreibt der US-amerikanische Professor für
jüdische Geschichte Norman A. Stillman. Die britische Autorin Bat Yeor
stellt fest: "Die arabischen Eroberungen ... waren begleitet von enormen
Zerstörungen. Mehr noch als die christlichen Quellen beschreiben die
muslimischen Chroniken die Plünderung und Einäscherung ganzer Städte und
zahlloser Dörfer und die an der Bevölkerung begangenen Massaker, ihre
Versklavung und Deportation."
Bei dem Hamburger Orientalisten Albrecht Noth liest
sich das so: "Nun hat natürlich die Vertragsbereitschaft der
muslimischen Eroberer nicht ausgeschlossen, dass es im Verlauf der
futuh (Eroberungen) auch immer wieder zu Kämpfen mit
der jeweils einheimischen Bevölkerung gekommen ist. Die Muslime hatten
ihre militärische Stärke, sei es in Gefechten, sei es bei der Belagerung
von festen Plätzen, des Öfteren erst einmal zu demonstrieren, bevor ihre
nichtmuslimischen Kontrahenten zu der Überzeugung kamen, dass eine
vertragliche Einigung mit den Muslimen für sie die vorteilhafteste
Lösung sei."
An solchen Demonstrationen hatte es schon der Prophet
bei zahlreichen Razzien, Belagerungen, Eroberungen und Vertreibungen
nicht fehlen lassen (einschließlich der Folter), am eindringlichsten im
Jahre 627 bei der Massakrierung der Juden vom Stamme Banu Qurayza. Sir
William Muir, der bedeutendste britische Islamwissenschaftler des 19.
Jahrhunderts, schreibt in The Life of Muhammad: "In der
Nacht wurden quer über den Marktplatz der Stadt Gräben ausgehoben, groß
genug, um die Leichen der Männer aufzunehmen. Am Morgen befahl Mohammed,
der selber zu den Zuschauern der Tragödie gehörte, dass die männlichen
Gefangenen in Gruppen von jeweils fünf oder sechs herbeigeführt werden
sollten. Jede Gruppe hieß man dann in einer Reihe am Rande des Grabens
niedersitzen, der bestimmt war, ihr Grab zu werden; dort wurden sie
enthauptet und die Leichen hinabgestoßen. ... Die Schlächterei, die am
Morgen begonnen hatte, dauerte den ganzen Tag und wurde bei Fackelschein
bis in den Abend hinein fortgesetzt. Nachdem er so den Marktplatz mit
dem Blut von sieben- oder achthundert Opfern getränkt und den Befehl
erteilt hatte, die Erde über den Leichen zu glätten, ließ Mohammed das
furchtbare Schauspiel hinter sich, um bei den Reizen Rihanas Trost zu
finden, deren Ehemann und männliche Verwandten alle gerade in dem
Massaker umgekommen waren." Die anderen Frauen und die Kinder wurden in
die Sklaverei verkauft.
Die Dhimmainstitution ist keine spezifisch islamische
Erfindung, sondern eine Variante zahlreicher vorgegebener Modelle
imperialer Einbindung von religiös und kulturell heterogenen minoritären
oder majoritären Bevölkerungsgruppen, auf deren Wirtschaftskraft,
Steuergelder und Expertise man nicht verzichten wollte und die deshalb
vor der Tötung, Ausweisung oder Zwangsassimilation und -konversion
bewahrt wurden. Sie ist die universelle Praxis der römischen und
mittelalterlichen Imperien. Ein Vergleich des christlichen Europas mit
den islamischen Staaten in diesem Zusammenhang zeigt keineswegs eine
Opposition intolerant/tolerant, vielmehr eine weitgehende
Übereinstimmung.
Neben
den religiösen Geboten lag dem Dhimmastatus - ebenso wie dem der
nichtchristlichen Minderheiten in Spanien, Sizilien und den
Kreuzfahrerstaaten - das Prinzip der utilitas zugrunde.
Die Existenz der Ungläubigen im Land des Islam, heißt es bei Bernard
Lewis, einem der ausgewiesensten Kenner des Nahen Ostens, erklärt sich
dadurch, dass "sie unterschiedlichen nützlichen Zwecken dienten, vor
allem ökonomischen".
Umar, der zweite Kalif, legte den Gläubigen den Schutz
der Dhimma ans Herz, einerseits weil der Prophet es so gewollt habe,
andererseits weil "sie für den Lebensunterhalt eurer Familien sorgen".
Mit erfrischender Offenheit beantwortete einer der Gefährten des
Propheten die Frage, was die Muslime den Tributpflichtigen denn
verdankten, mit folgender Auskunft: "Sie helfen dir, deiner Armut zu
entkommen, um dich mit dem Reichtum zu versorgen, über den du verfügst."
Was der Historiker Joshua Prawer über die
Kreuzfahrerstaaten sagt, lässt sich Wort für Wort auf die islamischen
übertragen: Aus der äußerst geringen Zahl der Eroberer im Verhältnis zu
den Eroberten und dem entschiedenen Unwillen Ersterer, einer produktiven
Tätigkeit nachzugehen, ergab sich "ein deutliches Grundmuster der
Koexistenz: Die Kreuzfahrer hatten niemals beabsichtigt, Produzenten von
Grundnahrungsmitteln oder irgendeiner anderen Form von Reichtum zu sein,
da sie sich als Herrscher sahen, die die Einheimischen ökonomisch
ausbeuteten. Diesen wurde durch politischen und militärischen Druck die
Rolle von Lieferanten zugewiesen. Die neue Gesellschaft bestand so von
Anfang an aus Eroberern und Eroberten, Ausbeutern und Ausgebeuteten."
Die Aufnahme der seit 1492 von der Iberischen
Halbinsel vertriebenen Juden durch den Sultan Bayezid II. ist wohl das
am häufigsten angeführte Beispiel islamischer Toleranz (und christlicher
Intoleranz). Um das damit einhergehende Schwarzweißbild ein wenig zu
korrigieren - es ist ja auffällig, dass die habituellen
Schwarzweißbild-, Schrecklichevereinfacher- und
Komplexitätsreduzierungskritiker im Fall der Konfrontation von
Christentum und Islam den Mund nicht aufkriegen -, sei daran erinnert,
dass keineswegs alle vertriebenen Juden der Einladung ins Osmanische
Reich folgten: Einige gingen in christliche Länder Europas, Italien vor
allem, und dort vor allem in den Kirchenstaat, oder siedelten sich im
Languedoc an, andere zogen in die portugiesischen Küstenstädte
Nordafrikas, wo sie an deren Verteidigung gegen die Angriffe der Muslime
teilnahmen.
Obwohl
neben Spanien und Portugal auch England, Frankreich und deutsche Länder
- um nur die wichtigsten zu nennen - die Juden für Jahrhunderte des
Landes verwiesen, gab es doch immer andere europäische Länder, die sie
aufnahmen, von Polen und Litauen über Savoyen bis zur mächtigen Republik
Venedig (später die protestantischen Länder), und aus demselben Grund
wie der Sultan.
Die Juden sind 1492 und in den folgenden Jahren nicht
zum ersten Mal von der Iberischen Halbinsel vertrieben worden: Der
Terror der Almohadenherrschaft (1130 - 1212) machte mit
Zwangsvertreibungen und -konversionen, Verfolgungen und Massakern
al-Andalus (und das von ihnen beherrschte Nordafrika)
weitgehend juden- und christenrein. (1159 verschwanden die letzten
christlichen Gemeinden Nordafrikas unter den Verfolgungen Abd al-Mumins.
1126 schon hatten die Almoraviden Christen nach Marokko deportieren
lassen.) 1033 waren in Fez etwas sechstausend Juden einem antijüdischen
Massaker zum Opfer gefallen, 1066 waren es etwa viertausend in Granada.
1232 kam es zu einem Judenmassaker in Marrakesch. 1465 lebten in Fez
wieder genug Juden, um sie in einem Massaker, das sich auf das gesamte
Land ausbreitete, fast vollständig auslöschen zu können.
Das letzte große Judenpogrom in der
arabisch-islamischen Welt fand 1945 in Tripoli und den umliegenden
Gemeinden unter den Augen der britischen Besatzer statt, dauerte bis zu
Gründung des Staates Israel 1948 an und wurde dann durch die Emigration
beziehungsweise Vertreibung der Juden abgelöst.
Die Juden der Iberischen Halbinsel waren dem
türkischen Sultan auch deshalb willkommen, weil er so Zwangsumsiedlungen
von Juden vermeiden konnte, wie sie schon nach der Eroberung
Konstantinopels zur Schaffung einer ökonomisch aktiven und steuerlich
ertragreichen Hauptstadt vorgenommen worden waren. Lewis: "Der
osmanischen Regierung lag viel daran, jüdische Bevölkerungsgruppen in
den neu eroberten christlichen Städten anzusiedeln. Die Juden wurden
manchmal dazu überredet, manchmal dazu gezwungen."
Und im Gegensatz zu den Christen galten die Juden als
politisch verlässlich, da sie keiner Parteinahme für die mit den Türken
verfeindeten christlichen Staaten verdächtig waren. Sie "wurden als
nützliche und produktive Elemente betrachtet und als ein Instrument
imperialer Politik benutzt". Vor allem das von ihnen mitgebrachte
Kapital und ihr technologisches Wissen, ihre sprachlichen, das heißt
Übersetzerfähigkeiten und anderes Expertenwissen bildeten die Grundlage
einer "Art symbiotischer Beziehung mit den Türken, die der Dienste
bedurften, die jene zu leisten vermochten". In dem Maße aber, wie ihre
Fähigkeiten und Dienste obsolet wurden und an Wert verloren, ihre
Kontakte zu Europa abbrachen, verschlechterte sich der Status der Juden,
verminderte sich die ihnen gewährte Toleranz.
Mit dem Versiegen der jüdischen Einwanderung gegen
Ende des 16. Jahrhunderts versiegte auch der Zustrom europäischen
Wissens, europäischer Technologie: "Die Kenntnisse und Fertigkeiten, die
zuvor den Juden und ihren türkischen Herren von Nutzen gewesen waren,
veralteten, und die Juden hatten nicht länger irgendetwas Besonderes
oder Nützliches anzubieten" und wurden durch Christen ersetzt.
Lewis spricht von "der wachsenden Segregation, der
schwindenden Toleranz, der verminderten Partizipation, der zunehmenden -
materiellen sowohl wie intellektuellen - Armut" der Juden im Osmanischen
Reich in einem Klima allgemein zunehmender sunnitischer Orthodoxie. Für
die Juden in den arabischen Ländern des Reiches stellt Stillman fest:
"Das 16. Jahrhundert war ein kurzes strahlendes Zwischenspiel in der
langen Abenddämmerung des späten islamischen Mittelalters." Der Jude
hatte seine Schuldigkeit getan, der Jude konnte gehen. Nein, als
Beispiel für eine dem Islam innewohnende vortreffliche Toleranz taugt
das Schicksal der Juden im Osmanischen Reich nicht.
Die Grenzen einer auf dem Utilitasprinzip beruhenden
Toleranz sollten ihre positiven lebens- und glaubensrettenden Seiten
nicht vergessen machen. Es geht mir nicht um einen moralischen
Rigorismus, der das Gute nur getrennt vom Nützlichen als Gutes
anerkennen will, ist jenes doch sicher dessen zuverlässigster Freund und
Helfer, solange beide dasselbe Ziel verfolgen. Aber die Utilitastoleranz
des Dhimmastatus ist nur die eine Seite der islamischen Toleranz - und
nun zu den bad news.
Eine
auf absolute Wahrheit Anspruch erhebende universale Offenbarungsreligion
wie der Islam (oder das Christentum) sieht sich mit dem Problem
konfrontiert, wie sie mit den Mitgliedern anderer Religionen verfahren
soll, die sich auf ihrem Herrschaftsgebiet befinden. Will sie sich der
mit der Uneinsichtigkeit der Andersgläubigen gegebenen frechen
Provokation ("Glaub ich nicht!") und Infragestellung des eigenen
absoluten Wahrheitsanspruchs nicht durch Tötung oder Vertreibung
entledigen (und dem steht das Utilitasprinzip - auch in Form religiöser
Gebote und Verbote - entgegen), muss ein Modus gefunden werden, der die
überlegene Wahrheit der eigenen mit dem Fortbestehen der anderen
Religion(en) verbindet: der Modus ihrer öffentlichen und sinnfälligen,
beiden Seiten wahrnehmbaren Demütigung und
Erniedrigung.
Da beide Religionen nicht gleichzeitig die absolute
göttliche Wahrheit sein können - die moderne Spaltung in den privaten
religiösen und den säkularen gesellschaftlich-staatlichen Bereich, die
nur im ersteren den Absolutheitsanspruch konzediert und so die
gleichberechtigte Koexistenz aller Religionen im letzteren Bereich
ermöglicht, ist ja nicht gegeben -, muss die Überlegenheit der einen
durch die Unterlegenheit der anderen ihren sinnfälligen Ausdruck finden.
Man kann sich das als ein Nullsummenspiel der
Anerkennung vorstellen: Religion A kann nur anerkannt und geehrt sein,
wenn Religion B erniedrigt und gedemütigt ist - je anerkannter Religion
A, desto verächtlicher Religion B; die eigene Religion erhöhen heißt die
andere demütigen. "Der Islam herrscht, er wird nicht beherrscht", lautet
ein überliefertes Wort des Propheten: Es kann nur Erhöhung oder
Erniedrigung, Anerkennung/Ehre oder Verachtung/Ehrlosigkeit geben.
Die Gleichberechtigung der anderen Religion
anzuerkennen, wäre nicht nur ein absurder Widerspruch zum Anspruch der
einen absoluten Wahrheit, sie stellte auch eine sträfliche
Vernachlässigung religiösen Ernstes und Eifers dar. Die Verachtung und
Demütigung der anderen Religion(en) ist somit nicht dem Belieben der
einzelnen Gläubigen anheimgestellt und deren Sadismus oder Gutmütigkeit,
sondern religiöse Pflicht. Mit anderen Worten: Der Preis für die Duldung
durch das Utilitasprinzip des Dhimmastatus ist die Demütigung. Das geht
schon aus der grundlegenden Koranstelle 9, 29 hervor, wo die
Tributzahlung (jizya) mit der demütigenden Unterwerfung
einhergeht. Beides nur ermöglicht und gewährt die
Duldung der Existenz.
Ihren alltäglichen Ausdruck fand dieses Prinzip der
institutionalisierten Demütigung in Geboten und Verboten, die alle
Formen der Begegnung von Muslimen und Ungläubigen regelten: wie und wann
zu grüßen ist (von freundlichen oder tröstenden Worten wird abgeraten),
dass der Ungläubige sich auf der Straße in bescheiden-unterwürfiger
Haltung fortzubewegen und dem Muslim Platz zu machen hat, dass er nicht
auf einem Pferd (einem edlen Tier) reiten darf, sondern allenfalls auf
einem Maultier oder Esel und auch das nur im Damensitz, und dass er
absteigen muss, wenn er einem Muslim begegnet, dass er diskriminierende
Kleidung, Kopfbedeckung, Schuhe (im Extremfall sind ihm diese sogar
verboten) oder dem Judenstern entsprechende Abzeichen zu tragen hat.
Dass er sich mit Steinen bewerfen, am Bart zerren, ins
Gesicht schlagen und prügeln lassen muss, ohne sich wehren zu dürfen;
der Waffenbesitz ist ihm ohnehin untersagt, und einen Muslim zu
schlagen, zieht die Todesstrafe nach sich, dass seine Zeugenaussage vor
Gericht geringeren Wert hat als die eines Muslims und für den Fall, dass
es sich bei dem Angeklagten um einen Muslim handelt, wertlos ist.
Dass ein Ungläubiger keine Autorität irgendwelcher Art
über einen Muslim ausüben darf, dass ihm sexuelle Beziehungen zu
Musliminnen und deren Heirat bei Todesstrafe untersagt sind, dass er
keine neuen Gotteshäuser bauen, allenfalls die bestehenden nach - teuer
zu bezahlender - Erlaubnis der Behörden renovieren darf, dass Kreuze auf
den Kirchen und Glocken(läuten) in deren Türmen verboten sind ebenso wie
lautes Klagen bei Trauerzügen und so weiter und so fort.
Angesichts
der endlosen Reihe von Demütigungen, Erpressungen, Vertreibungen und
Pogromen, denen die Andersgläubigen unterm Islam ausgesetzt waren (und
sind), darf man vielleicht auf eine detaillierte und präzise Widerlegung
der einschlägigen kritischen Werke durch jene Islamwissenschaftler
hoffen, die unermüdlich den Gebetsruf von der islamischen Toleranz in
den Medien und von ihren Lehrstühlen erschallen lassen.
SIEGFRIED KOHLHAMMER,
Jahrgang 1944, ist Lektor am Institut für Vergleichende
Kulturwissenschaft an der Staatlichen Universität Yokohama. Das von ihm
herausgegebene Buch "Die Freunde und Feinde des Islam" (Steidl Verlag,
Göttingen 1996, 223 Seiten) ist leider nur noch antiquarisch erhältlich.
Die Langfassung des Textes findet sich im
Merkur. Zeitschrift für europäisches Denken,
Nummer 639
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