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Ägypten: friedliche christlich ( koptisch) -muslimische Koexistenz am Ende

aus: http://www.ksta.de/html/artikel/1214566322766.shtml

Anmerkung: abgesehen davon, dass m.E. das christliche Kreuz jeder Beleidigung vollkommen überlegen ist, lässt dieser Bericht viel erahnen; es bleibt zu hoffen, dass die Lehren daraus gezogen werden.

Gewalt gegen Kopten

 

Beleidigungen des Kreuzes

VON BIRGIT CERHA, 18.07.08, 22:56h

In Ägypten wächst die Gewalt gegen Kopten in bedrohlichem Maße. Auch liberale Muslime sind besorgt. Die christliche Minderheit im Land richtete nun einen scharfen Appell an Präsident Mubarak.

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Der ägyptische Papst Shenouda III. und koptische Priester bei der Mitternachtsmesse in der Kirche Saint Murkos in Kairo. (Bild: dpa)

BEIRUT - Die größte christliche Gemeinschaft des Orients sucht Sicherheit im Rückzug aus der Gesellschaft. „Wir können nicht mehr von sporadischen Zwischenfällen sprechen. Es handelt sich vielmehr um eine ununterbrochene Serie von (gewaltsamen) Ereignissen.“

Die wachsende Zahl von blutigen Attacken auf Ägyptens Kopten beunruhigt auch liberale Muslime, wie den Schriftsteller Ahmad al-Aswani. Folgt das bevölkerungsreichste arabische Land dem Weg der Gewalt zwischen Angehörigen unterschiedlicher Religionsgemeinschaften, der den Libanon und den Irak ins Verderben stürzte? „Heute liest man von Übergriffen im Kairoer Stadtviertel Zeitun, in Alexandria, in Deir Abu Fana. Sie reichen von wahllosen Morden, über Raub, bis zur Entführung von Mädchen und Zwangsislamisierung. Häuser und Autos werden in Brand gesetzt.“ Die sonst so zurückhaltende Kirchenführung drängte in einem scharfen Appell an Präsident Hosni Mubarak, die „zunehmenden bewaffneten Angriffe auf Mönche“ und „Beleidigungen des Kreuzes“ zu verhindern.

Unmittelbaren Anlass hatte der Überfall auf das 1600 Jahre alte Abu-Fana-Kloster im oberägyptischen El-Minya gegeben. 60 bewaffnete Beduinen hatten am 31. Mai drei Mönche in dem Kloster entführt, sie geprügelt und gezwungen, das Kreuz zu bespucken. Große Teile des Klosters wurden zerstört. Regierung und staatlich gelenkte Medien bestreiten einen islamistischen Hintergrund. Ursache der Attacke seien Landstreitigkeiten zwischen den Beduinen und dem Kloster gewesen. Auch Papst Shenouda bemüht sich, die religiöse Dimension des Konflikts herunterzuspielen.

Abu Fana ist nur der spektakulärste Gewaltakt der jüngsten Zeit. In Zeitun erschossen zwei Männer einen 60-jährigen Juwelier und drei Angestellte, in Alexandria wurde ein koptischer Juwelier ausgeraubt, in El Hoscheh, südlich von Kairo, zwei Kopten ermordet. Wiederholte gewaltsame Zusammenstöße zwischen Kopten und Muslimen, insbesondere in Oberägypten, steigern Angst und Unsicherheit unter der größten christlichen Gemeinschaft des Orients, die sich mehr und mehr isoliert.

Vom Apostel Markus gegründet

Die koptische Kirche wurde von Apostel Markus im ersten Jahrhundert gegründet. 650 Jahre lang war ganz Ägypten christlich, bis die Araber und mit ihnen der Islam das Land eroberten. Die heute acht bis zehn Millionen Kopten verstehen sich als die wahren Besitzer Ägyptens, die direkten Nachkommen der Pharaonen. Muslime, aber auch führende Kopten, preisen eine Geschichte des friedlichen Zusammenlebens, die erst Mitte des vorigen Jahrhunderts durch sporadische Gewaltakte für die Minderheit spürbar getrübt worden sei. Der Druck auf die Christen wuchs mit der politischen Bedeutung islamischer Strömungen, die das Regime durch eine Mischung aus Repression und Islamisierung in Schach zu halten sucht. Nicht zuletzt deshalb leiden die Kopten unter zunehmender Diskriminierung durch den Staat, durch Gesetze, durch die politische und administrative Praxis. Sie werden heute aus dem politischen Prozess weitgehend ausgeschlossen. Sie dürfen nur mit Sondergenehmigung des Präsidenten Kirchen bauen. Wer zum Christentum übertritt, ist enormen Druck ausgesetzt.

In diesem Klima flüchteten in den vergangenen Jahrzehnten rund 1,5 Millionen Kopten in den Westen, während zugleich 4000 Christen in vier Jahrzehnten getötet wurden.. „Die Diskriminierung der Kopten ist tief in den staatlichen Institutionen und in der Praxis (der Staatsorgane) verankert“, stellt das Kairoer Ibn-Khaldun-Zentrum fest. Da der Staat Gewalt gegen Kopten nicht strafrechtlich ahndet und auch Papst Shenuda III. alles tut, um eine offene Konfrontation zu vermeiden, würden Extremisten geradezu ermutigt, klagt al-Aswani.

Wenn die weit mutigeren koptischen Gemeinden im Westen lautstark gegen Verfolgungen in der Heimat protestieren, ergehen sich ägyptische Medien in Verschwörungstheorien, sprechen von der Formation gewalttätiger Kopten-Organisationen, die mit westlicher Unterstützung gegen das Regime, vor allem aber gegen islamistische Strömungen am Nil losschlagen wollten. „Wir Kopten aber“, so der Intellektuelle Milad Hanna, „haben gelernt, uns an soziopolitische Veränderungen anzupassen. Unser Hang zum Kompromiss ist stark ausgeprägt.“ Doch die Regierung dürfe der Minderheit nicht länger den Schutz verweigern, denn die jüngste Eskalation „beweist, dass nach einer langen Geschichte die friedliche Koexistenz zu Ende geht.“

 
 

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